Projekt: EM-PO-W-ER Tunisia - Emerging Pollutants in Water and Wastewater in Tunisia

Braunschweig

Em Power

Die Verschmutzung von Grund- und Abwässern mit Schadstoffen ist in Tunesien ein wachsendes Problem, für das nachhaltige Lösungen gefunden werden müssen. Der erste Schritt dazu ist die fachlich fundierte Analyse von Wasserproben. Deshalb haben sich das Institut für Ökologische und Nachhaltige Chemie der TU Braunschweig, das National Research Institute for Rural Engineering, Water and Forestry INGREF in Tunis und das Higher Institute for Agronomic Sciences ISA CM an der Universität Sousse zusammengetan und ein langfristig angelegtes Ausbildungsprogramm entwickelt. Unter der Leitung von Professor Dr. Müfit Bahadir (TU Braunschweig) und Dr. Olfa Mahjoub (INRGREF) geht es allerdings noch um mehr als tunesischen Studenten Kompetenzen in Umweltchemie zu vermitteln. Die Nachwuchswissenschaftler haben bei ihren Aufenthalten in Deutschland auch Gelegenheit, sich über die hiesigen demokratischen Universitätsstrukturen zu informieren.

Kern des fachlichen Trainingsprogramms ist die Analyse von natürlichen Wasserressourcen und behandelten Abwässer, die in der tunesischen Landwirtschaft zur Bewässerung verwendet werden. Die Schulung soll es den Studenten ermöglichen, später selbständig und sachkundig Wasser- und Bodenproben zu analysieren. Schwerpunktmäßig geht es um den Nachweis so genannter „Emerging Pollutants“, das sind organische Schadstoffe aus unterschiedlichen Substanzklassen, wie zum Beispiel Rückstände von Pestiziden und Arzneimitteln, hormonaktive endokrine Verbindungen, PCBs, PAHs oder Wasch- und Reinigungsmittel mit biologischer Wirkung.

Noch in diesem Jahr kommen Austauschstudenten und junge Wissenschaftler für zwei Monate nach Braunschweig, um ihr Wissen und ihre praktischen Fertigkeiten in der Umweltchemie aufzufrischen und neue analytische Methoden zu erlernen. Im Herbst 2012 sollen dann in einem internationalen Workshop in Tunesien, an dem auch weitere arabische und europäische Umweltwissenschaftler teilnehmen, Daten zur Wasserqualität in der landwirtschaftlichen Nutzung im gesamten mediterranen Raum zusammengetragen werden.

Der zweite und ebenso wichtige Teilaspekt dieses Projektes betrifft den Transformationsprozess an den Universitäten und Forschungszentren in Tunesien. Während ihres Aufenthaltes an der TU Braunschweig werden die Austauschstudenten und Wissenschaftler mit ihren Peer-Groups zusammengebracht und bekommen einen Einblick in die Organisation einer demokratischen Universität („Good University Governance“), also einer Universitätsstruktur, die im Idealfall partizipativ , konsensorientiert, verantwortungsvoll, transparent, effektiv und effizient, gerecht und integrativ ist und dem Gesetz folgt. Die konkrete Arbeit in diesen Strukturen soll den Austauschstudenten Anregungen geben, so dass sie nach ihrer Rückkehr nach Tuneisen selbst aktiv am Transformationsprozess zu einer demokratischen Universitätsstruktur mitwirken können.

Der Projektplan sieht vor, die begonnenen Maßnahmen 2013 weiterzuführen und zu intensivieren, um sowohl die analytischen Methoden zu verfeinern und eine Bestandsaufnahme der Situation in Tunesien und dem nördlichen Afrika vorzunehmen, als auch die Idee der „Good University Governance“ in der Praxis voranzutreiben. Darüber hinaus wird das Projekt in den kommenden Jahren mit dem global operierenden Braunschweiger Netzwerk Exceed – Excellence Center for Development Cooperation, Sustainable Water Management in Developing Countries (www.exceed.tu-braunschweig.de) und der Euro-Mediterranen Organisation von Umweltwissenschaftlern MESAEP (www.helmholtz-muenchen.de/mesaep) verlinkt.